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Zehn Fragen und Antworten rund um die Kultur- und Kongresshalle

Veröffentlicht am 14. November 2007
Folgende zehn Fragen und Antworten rund um die Kultur- und Kongresshalle hat Ralf Henrichs verfasst:

1.   Ist das Konzept von Anfang an unverändert geblieben?
Nein.
1989 war noch geplant, dass neben dem Schloss eine Musikhalle und ein Museum für Gegenwartskunst entstehen sollten. 2004 erklärte jedoch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sich auf die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen für das in seiner Trägerschaft stehende Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte konzentrieren zu wollen. Das bedeutete das Aus für das Museum auf dem Hindenburgplatz.
Um die Universität Münster als Investor mit ins Boot zu holen, wurde anschließend das Konzept einer reinen Musikhalle in das einer Kultur- und Kongresshalle geändert.

FAZIT: Das Konzept ändert sich immer nach Grad der Durchsetzbarkeit.

 

2.   Stellt die Stadt „nur" 12 Millionen Euro zur Verfügung?
Nein.
Die Stadt hat sich verpflichtet, 50 Veranstaltungen im Jahr zu übernehmen  Im Ratsbeschluss heißt es hierzu vorsichtig (S. 4): „voraussichtlich 150.000 - 200.000€ p.a. ... (je nach abschließendem üblichen Kostensatz)". Die endgültigen Kosten, die hierfür anfallen werden, sind also noch unbekannt. Eine Sicherheit, wie sich die Mietkosten in den Folgejahren verändern werden, besteht nicht.
Spätestens nach 10 Jahren will die Stadt auch die baubedingten Folgekosten übernehmen. Sollte sich niemand von privater Seite hierfür finden, will die Stadt diese auch früher übernehmen. Doch relevant ist vor allem der spätere Zeitpunkt, denn baubedingte Folgekosten fallen üblicherweise nicht zu Beginn eines Bauprojektes an. Weitere Kosten, die anfallen, aber nicht in den Berechnungen auftauchen, sind z.B. die für die Errichtung der Außenanlagen, für die Errichtung der Prakplätze, die Zinsbelastung (die Stadt will die 12 Mio. Euro über Kredite finanzieren), die Übernahme der durch die Musikhalle anfallenden Verluste...

FAZIT: Die Gesamtbelastung für Münster durch dieses Projekt ist unbekannt.


3.   Sind die Zusagen der Universität uni-intern abgesprochen?
Nein.
Im Ratsbeschluss heißt es hierzu deutlich (S. 10): „Auch wenn hierzu (dem Angebot zur Durchführung zusätzlicher Kongresse und Tagungen, R.H.) auf Grund der dezentralen Struktur der Veranstaltungsorganisation an der WWU keine definitiven Aussagen zur jährlichen Auslastung der Kultur- und Kongresshalle durch Kongress- oder Tagungsveranstaltungen gemacht werden können, zeigen doch die noch zu verfeinernden Umfragen an den Institutien der WWU, sowie das aktuelle Schreiben der Rektorin Frau Prof. Dr. Nelles ..., dass wissenschaftlich geprägte Veranstaltungen, die in großen Teilen bisher nicht in Münster stattfinden könnten, zur Auslastung und damit auch zur Wirtschaftlichkeit der Kultur- und Kongresshalle beitragen können werden." Im Schreiben von Frau Prof. Dr. Nelles an die Stadt, das im Anhang zum Ratsbeschluß veröffentlicht worden ist, steht, dass Frau Prof. Dr. Nelles über die uni-interne Umfrage 23 Tage pro Jahr ermittelt hat, an denen die Kultur- und Kongreßhalle mit universitären Veranstaltungen ausgelastet werden könnte. Desweiteren schreibt sie jedoch: "Bei <u>optimistischer Schätzung</u>, die durch zusätzliche Faktoren begründbar ist (z.B. Grünung einer Kongress-Support-Gesellschaft der WWU, um ihren Mitgliedern die Durchführung und damit mittelbar auch die Einwerbung von Kongressen zu erleichtern; zunehmendes Bekanntwerden von Münster als Veranstaltungsort für Kongresse dieser Größenordnung durch Tagungs- und Kongressberichte auch in internationalen Fachzeitschriften etc.) lässt sich aus meiner Sicht auch mit einer Auslastung von 30 Tagen und mehr rechnen." (Hervorhebung im Original)

FAZIT: Die Zusage von Frau Prof. Dr. Nelles über 30 Tage ist in keinerlei Weise belastbar.


4.   Stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung?
Nein.
Im Ratsbeschluss heißt es hierzu (S. 15): „Die Errichtung einer Tiefgarage mit einer für die Nutzung der Kultur- und Kongresshalle adäquaten Größenordnung von 500 Stellplätzen ist in der aktuellen Projektphase - das muss offen gesagt werden - schwierig und daher noch ungeklärt." Dabei sind schon verschiedene Konzepte angedacht und sämtlich als zu undurchführbar oder zu teuer verworfen worden. Die für die Parkraumbewirtschaftung  notwendigerweise anfallenden Kosten sind im Ratsbeschluss an keiner Stelle aufgeführt worden.

FAZIT: Für die anfallende Parkplatzproblematik existiert noch keine Lösung.


5.   Wird die Kultur- und Kongresshalle Gewinne erwirtschaften?
Nein.
Im Ratsbeschluss wird deutlich, auf wie wackligen Füssen eine Kultur- und Kongresshalle stehen würde (S. 17): „Ein auf der Basis der gegebenen Rahmenbedingungen erstellter Wirtschaftsplan zeigt, dass im Saldo ein ausgeglichenes Ergebnis des rein operativen Geschäftes <u>unter optimistischen Annahmen prinzipiell möglich </u>ist. Wesentliche Prämissen hierfür sind der Verzicht auf ein intendanzgeführtes Haus, die Konzentration auf ein Vermietgeschäft, ein kleiner Personalstamm, ein energiewirtschaftlich sparsames Gebäude sowie reduzierte Aufwendungen für den Betriebsbedarf. Zudem darf das operative Geschäft nicht durch Bauunterhaltungs-, Finanzierungs- oder Mietaufwendungen belastet werden."

FAZIT: Die Kultur- und Kongresshalle wird ein Millionengrab werden.

 

6.   Werden durch die Kultur- und Kongresshalle große Künstler nach Münster kommen?
Nein.
Zumindest wird es schwer werden, da die Platzzahl gegenüber den anfänglichen Wunschvorstellungen aus Kostengründen schon auf maximal 1400 Plätze reduziert wurde. Im Brief des Konzertbüro Schönebergs, der in den Anlagen zum Ratsbeschluß veröffentlicht worden ist, heißt es hierzu: "Grundsätzlich ist dazu anzumerken, dass für die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen mit Künstlern, deren Gagen bei ca. 80-90.000 € liegen, eine Platzkapazität von rd. 1500 bis 1600 Plätzen erforderlich sind. Bei geringeren Platzzahlen, wie oben vorgesehen, müssten die Preise auf ein nicht marktverträgliches Niveau angehoben werden. Das bedeutet, dass der große Saal im Mittel mit 1400 Plätzen ausgestattet und bis zu 1600 Plätzen erweiterbar sein sollte. Dann werden auch Künstler wie Anne-Sophie Mutter, Lang Lang oder Nigel Kennedy und Kurt Masur regelmäßig in Münster auftreten können."

FAZIT: Um Münsters Renomee wirklich zu stärken, ist die Halle zu klein.


7.   Bietet die Kultur- und Kongresshalle ein Angebot für alle Münsteraner Bürger und Bürgerinnen?
Nein.
Die anfallenden Kosten müssen selbstverständlich aus dem laufenden Haushalt der Stadt finanziert werden. Dies gilt selbst dann, wenn die für die Stadt anfallenden Baukosten über Kredite finanziert werden, nämlich für die Zinsen. Zumal noch andere Kosten (siehe Punkt 2) auf die Stadt zu kommen werden. Auch wenn die Stadt sich nicht dazu äußert, aus welchem Etat diese Gelder genommen werden sollen, erscheint es wahrscheinlich, dass hierfür der Kulturetat herhalten muss. Die SPD will sich zwar dafür einsetzen, dass sich auch Sozialschwache einen solchen Besuch leisten können, doch würde dies dann nur die Subvention der Kultur- und Kongreßhalle durch die Stadt erhöhen. Denn jede nicht kostendeckende Eintrittskarte erhöht natürlich den operativen Verlust der Halle. Hierfür muss dann die Stadt Münster, d.h. die Bürgerin und der Bürger Münsters aufkommen. Und dies in einer Zeit, in der Münster (angeblich) kein Geld mehr hat und massiv im sozialen und kulturellen Bereich gekürzt wurde und wird (Stichwort: Rödl-Gutachten).

FAZIT: Millionengeschenk für die Reichen und gleichzeitig Millionenkürzungen bei den Armen


8.   Besteht auch ohne Kultur- und Kongresshalle Bedarf nach einem Hotel?
Nein.
Die HOTOUR Unternehmensberatung hat eine Studie für ein Hotelprojekt im Bereich des Hindenburgplatzes erstellt. Im Ratsbeschluss wird aus dieser Studie zitiert (S. 14): „Es sei davon auszugehen, dass die Nachfrage am Münsteraner Beherbungsmarkt in den nächsten Jahren leicht ansteigen wird. Dies allein begründe quantitativ betrachtet .. nicht den Bedarf eines neuen Hotels... Der Erfolg des Hotels wird wesentlich von der Musikhalle (Kultur- und Kongresshalle) abhängen... Die gemeinsame Vermarktung von Musikhalle und Hotel ist ebenalls als entscheidender Vorteil zu werten." Dabei wird ein 4-Sterne Haus mit einer Kapizität von 120 - 140 Zimmern vorgeschlagen. Ein interessierter Investor, der ein solches Hotel errichtet möchte, ist allerdings bislang noch nicht bekannt.

FAZIT: Noch kein Investor, aber schon fester Bestandteil des Konzepts...

 

  9. Steht die Münsteraner Bevölkerung hinter der Kultur- und Kongresshalle?

      Nein.

        Dies ist jedenfalls der Fall, wenn man dem Münster Barometer (repräsentative Umfrage der Münsteraner Bevölkerung zu kommunalpolitischen Thema) Glauben schenken darf, das vor kurzem in den "Westfälischen Nachrichten" veröffentlicht wurde. Hier sprachen sich - mit steigender Tendenz - 63% der Münsteranerinnen und Münsteraner gegen die Kultur- und Kongresshalle aus. Die Ratsmehrheit weigerte sich aber, ein von der UWG/ÖVP-Fraktion und dem Ratsherrn Ali Atalan (DIE LINKE) geforderten Ratsentscheid zuzustimmen. Dann hätte die Münsteraner Bevölkerung direkt gefragt werden können, ohne dass erst Unterschriften gesammelt werden müssen. Aufgrund dieser Weigerung bedarf es eines erfolgreichen Bürgerbegehrens, damit am Ende die Münsteraner Bevölkerung entscheiden kann, ob sie das Projekt unterstützt oder nicht.

FAZIT: Bürgerbegehren unterstützen!

 

10. Kann man die Kultur- und Kongresshalle noch verhindern?
Ja.
Damit ein Bürgerentscheid durchgeführt werden kann, müssen wir den Weg eines Bürgerbegehrens gehen. Ein solches Bürgerbegehren muss von mindestens 4% der Münsteraner Bürgerinnen und Bürger unterzeichnet werden, d.h. von ca. 8100 Personen. Auf der Gründungsversammlung der Bürgerinitiative "Keine städtische Finanzierung für eine Musikhalle" am 20. November um 19 Uhr 30 in der Aasee-Mensa soll die Unterschriftensammlung beginnen. Beteilige auch du dich daran!

FAZIT: Unterschreiben und selbst Unterschriften sammeln!

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Wir danken...

...allen Münsteranerinnen und Münsteranern, die sich am Bürgerentscheid beteiligt haben - ganz besonders natürlich denen, die mit JA gestimmt haben;-)

Und wir bedanken uns bei all denen, die uns beim Bürgerbegehren und -entscheid aktiv unterstützt haben. Ohne ihre tatkräftige Hilfe beim Unterschriftensammeln, Zeitungsverteilen, Bekannte ansprechen wäre uns dieser Erfolg nicht gelungen.  

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